Impressionen
und Klänge – vier Tage Musik für alle Sinne
Erste spannende Begegnung der Los Romeros mit den Kuratoriumsmitgliedern
und Gästen der Hermann Hauser Guitar Foundation |HHGF| am 31. Oktober
2004 im Bayerischen Hof in München. Sehr lang schon dauern die freundschaftlichen
Beziehungen der Familien Romero und Hauser. Celedonio Romero, der Vater
von Celin, Pepe und Angel Romero, hatte bereits 1952 engen brieflichen Kontakt
mit Hermann Hauser I, der in Folge von Hermann Hauser II und III fortgesetzt
und weitergepflegt wurde. Eine erste persönliche Begegnung gab es dann
mit Hermann Hauser II in Reisbach.
Was war neu an diesem Tag?
Die Los Romeros, Celin, Pepe, Celino und Lito hatten sich bereits vor ihrer
Ankunft in München zur Mitgliedschaft in der HHGF bekannt, einer Plattform,
die Gitarrenmusik, Künstler und Gitarrenbau in den Mittelpunkt ihrer
Aktivitäten stellt.
Angel Romero, der bei diesem Treffen nicht anwesend sein konnte, ist ebenfalls
ein wichtiges Mitglied dieser Foundation. Pepe Romero erklärte, dass
sein Vater, Celedonio Romero, diese Organisation und ihre Ideen befürwortet
und aktiv in der Musikwelt vertreten hätte.
Ohne zu übertreiben kann behauptet werden, dass für alle Romeros
die Mitarbeit in der HHGF eine Herzensangelegenheit ist. Das gemeinsame
Wissen darüber, dass Gitarrenmusik die Herzen der Zuhörer höher
schlagen lässt und dass dieses vielseitige Instrument sehr viel mehr
Beachtung verdient, war die Grundlage für die inspirierenden Gespräche
am ersten Abend der Begegnung. Der gemeinsame Wunsch aller Beteiligten ist
es, künstlerisch anspruchsvolle Projekte miteinander zu realisieren,
den gitarristischen Nachwuchs zu fördern und Impulse auszusenden, um
Fortschritte im Bereich der Gitarristik zu erzielen.
Die Traditionen neu beleben, gemeinsam die Welt bewegen mit Musik, Gitarre
und Engagement. Gitarristische Begleiter dieses Abends waren eine Gitarre
aus dem Jahre 1913 und eine Terzgitarre von 1917, gebaut von Hermann Hauser
I.
Diese sehr seltenen und einzigartigen Gitarren weckten sofort die Emotionen
der Gitarristen. Hermann Hauser gelang es an diesem Abend seine guten Kontakte
zu den Romeros auf alle Foundation-Mitglieder zu übertragen, so dass
sich gute Beziehungen und erste Freundschaften entwickeln konnten.
Am zweiten Tag, dem 01.11.2004, trafen sich die Kuratoriumsmitglieder und
der Freundeskreis der HHGF mit den Los Romeros in der Waakirchner Straße
11, in München, dem Sitz der Foundation. Es gab viele Gitarren aus
den Sammlungen von Hermann Hauser und Klaus Wolfgang Wildner, den Gründern
der HHGF, zu sehen und zu erproben. „Gewusel im Gitarrenhimmel“
beschreibt diese eindrucksvollen Szenen am besten. Alles stürzte sich,
natürlich mit gebührender Vorsicht, auf die Gitarren und probierte
aus, was verfügbar war.
Die besonderen Highlights waren eine Quintbassgitarre aus dem Jahr 1924
und eine Primgitarre von 1919, gebaut von Hermann Hauser I. Nach ausgiebigen
Tests spielten die Los Romeros auf Gitarren von drei Hauser-Generationen.
Ein grossartiges und ungewöhnlich schönes Klangerlebnis für
jeden Zuhörer.
Hervorragende Künstler mit hervorragenden Instrumenten, Celin spielte
HH II von1969, Pepe HH I von 1919, Celino eine HH II von 1960 und Lito HH
III von 1994, wunderbar, der gesamte Vortrag darf als einmalig bezeichnet
werden.
Auch die Romeros selbst hat es überrascht und in Staunen versetzt.
Den Geist von Celedonio Romero, den Vater der Los Romeros-Idee, und dem
genialen Gitarrenbauer Hermann Hauser I in einem Raum zu erleben, was für
eine Sternstunde, Tränen erlaubt, denn „Guitar is Soul“
, wie Pepe sagt.
Ein neues technisches Aufnahmeverfahren bewährte sich bei diesem Vortrag
und ermöglicht den Mitgliedern der Foundation, dieses Ereignis noch
oft nach zu erleben. Eigens für dieses Treffen wurden Torten von einem
Konditormeister entworfen mit einem provisorischen „Miguel-Award “
in Form einer zuckersüßen Gitarre. Eine liebevolle Vorbereitung
des Treffens, die hervorragenden künstlerischen und technischen Leistungen
waren ein Garant für die Unvergesslichkeit dieses Erlebnisses.
Erster „Miguel-Award“ für besonders mutige Künstler
Barbara Polasek, Gitarristin und Mitglied im Vorstand der HHGF, spielte
auf der Quintbassgitarre von 1924 zwei Bach-Stücke zur Freude aller.
Dieser Vortrag, ohne jede Vorbereitungszeit, kommt einer riskanten Bergtour
gleich.
Die 75 cm Mensur stellt für kleine Hände eine besondere Herausforderung
dar.
Aber umwerfende Bässe, ein wunderschön kolorierter Diskant und
das kraftvolle Spiel von Barbara Polasek ließen begeistert aufhorchen.

Die Anspannung entlockte ihr mitten im Spiel, zur Freude aller Zuhörer,
den Satz: “Die Mensur stimmt einfach nicht!.“
Ihr Beitrag zum Gelingen dieses Meetings grenzt an eine kleine Heldentat,
was die Verleihung des „Ersten Miguel Award für Solokünstler“
nach sich ziehen musste. (Natürlich aus Zucker.)
Jazz und Pop
Buck
Wolters wählte aus dem Gitarrenangebot eine Hermann Hauser III mit
Ahorn-Korpus aus und erbrachte den beeindruckenden Nachweis, dass Jazz-
und Popmusik mit einer Klassik-Gitarre zeitgemäß präsentiert
werden können.
Der Sound war modern, attraktiv und so überzeugend, dass es nichtklassische
Komponisten und Interpreten überrascht hätte. Moderne Übertragungstechnik
ermöglicht es heute, diesen akustischen Hochgenuss im Rahmen von Großveranstaltungen
zu präsentieren.
„Plattform Foundation“
Gitarren, neue Aufnahme- und Aufführungstechnologien, Mechaniken und
Saiten, eine neue Gitarrenschule mit neuer Methodik und Didaktik, Aufbau
und Entwicklung einer stiftungseigenen Musik- und Kunsthochschule in München,
Studenten- und Dozentenaustausch, Workshops, Meisterkurse, Zusammenarbeit
mit Kultureinrichtungen, internationale Vernetzung uvm., das ist der Stoff
aus dem die künftigen Projekte der Foundation wachsen werden.
Es sind sich alle darüber einig, dass die Besten zusammenarbeiten müssen.
Interdisziplinarität ist dabei besonders gefragt.
Es sind die Künstler, Techniker, Handwerker, Lehrer, Producer und Manager,
die gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, um professionelle und
wegweisende Ergebnisse zu erzielen.
Mittels moderner Kommunikationstechnologien lassen sich die Anliegen und
Projekte der Foundation weltweit kommunizieren und zeitgemäß
darstellen.
„Jetzt geht die Foundation richtig los“,
ein Ausspruch von Pepe Romero am selben Abend.
Ausklang der Munich Days
Freundschaft und die Freude darüber, gemeinsam eine Reise antreten
zu dürfen, die Gewissheit viel erreichen zu können, einem gemeinsamen
Leitbild zu folgen, war das Resultat des Treffens mit den Romeros und am
letzen Abend beschlossen Klaus Wolfgang Wildner, Hermann Hauser, Celin,
Pepe, Lito und Celino Romero konkrete Pläne für internationale
Projekte.
Klaus Wolfgang Wildner erhielt durch Pepe Romero die Gelegenheit eine Gitarre
aus der Werkstätte seines Sohnes („little“) Pepe auszuprobieren.
Auf dieser sehr schönen Gitarre spielte er eine moderne Eigenkomposition,
welche durch das Instrument hervorragend wiedergegeben wurde. Celin Romero
sagte: ...beautiful! ...nice music! ...nice touch!... – was aus Sicht
von Klaus Wildner an der Gitarre liegen musste, denn nach diesen ereignisreichen
und emotional sehr bewegenden Tagen waren gitarristische Meisterleistungen
von ihm nicht mehr zu erwarten.
Die nahezu intime Atmosphäre dreier Gitarristen im Gitarrenhimmel,
umgeben von alltäglichen Unzulänglichkeiten im Hotelzimmer, war
allerdings so bezaubernd, dass man auch zum Abschluss dieser wunderbaren
Tage zu Tränen gerührt sein durfte.
Konzert der Los Romeros in Bad Aibling am 4. November 2004
Hermann Hauser, Klaus Wolfgang Wildner und weitere Mitglieder der HHGF besuchten,
dank der Einladung des Veranstalters von „Saitensprünge“,
das Los Romeros-Konzert in Bad Aibling. Für die Veranstalter war es
der Auftakt ihres Festivals, für die Kuratoriumsmitglieder war es der
Abschied mit einem wunderbaren Konzert im Kurhaus Bad Aibling.
 |
Denkanstöße |
 |
Pepe: “Viele Gitarristen opfern den Ton der Geschwindigkeit!”
Celin: „Viele Gitarrenbauer opfern den Ton der Lautstärke!“
Pepe: „Für mich ist etwas „perfect“,
wenn es zu einer Zeit und an einem Ort bestmöglich ist, aber es beinhaltet
auch die Hoffnung, dass es zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort
noch besser werden kann“.
Celin: „Genau“, ein deutsches Wort, dass ihm
viel Spaß macht.
(hs) 10.11.2004
|