 |
Andrés
Segovia (li.) 1893-1987, gehörte zu den Pionieren der klassischen
Gitarrenmusik.
Noch heute Fühlen sich Gitarristen in der Klassik benachteiligt.
Eine Stiftung, benannt nach dem weltberühmten Münchener
Gitarrenbauer Hermann Hauser (re.), will das ändern.
Fotomontage: Hermann Hauser Guitar Foundation
|
Hermann Hauser gilt als Stradivari der Gitarrenbauer. Anfang des
20. Jahrhunderts fertigte er Gitarren, die heute im New Yorker Metropolitan
Museum hinter Glas liegen. Für die Instrumente des gebürtigen
Münchners werden in den USA sehr hohe Preise gezahlt. „In
Japan und Amerika gehen die Leute in die Knie, wenn sie den Namen
hören“, sagt Klaus Wolfgang Wildner, „hier ist
Hauser nur Eingeweihten ein Begriff“. Der Gitarrensammler
Wildner versteht nicht, warum München seinen berühmten
Sohn nicht würdigt:
„ Das ist ein Drama. Wenn wir schon so eine Tradition haben,
sollten wir sie pflegen.“ Seit April nimmt Wildner die Lobbyarbeit
selbst in die Hand. Gemeinsam mit dem Hauser-Enkel Hermann Hauser
III, der noch heute Gitarren für Weltstars der klassischen Gitarre
baut, gründete er die „Hermann Hauser Guitar Foundation“.
Eine Stiftung, die sich zur Aufgabe macht, dem Instrument in der
klassischen
Musik einen höheren Stellenwert zu verschaffen.
Vor sechs Jahren wusste auch Wildner, Geschäftsführer einer
Akademie für Medien und Musik, nicht viel über die Münchner
Instrumentenbau-Dynastie. Dann entdeckte er in einem Schaufenster
eine heruntergekommene Quintbassgitarre. Der Erwerb des langhalsigen
Saiteninstruments war ein Glücksgriff: Er hatte einen Hauser-Quintbass
von 1922 gekauft.
Ein tief klingendes Instrument, von dem Hauser in seinem Leben von
1882 bis 1952 nur drei Stück gebaut hat.
 |
v. l. n. r.:
Derek Gripper, Klaus Wolfgang Wildner |
|
Der 42-jährige Gitarrenliebhaber mit dem Ansatz zum Beatles-Pilzkopf
ist ein ungewöhnlich junger Stifter. Als er bei der Regierung
von Oberbayern seinen Antrag stellte, hatte er den Eindruck, „die
freuten sich über ein junges Gesicht“. Auch das Ziel der
Stiftung ist ungewöhnlich, „Ich bin keiner, der nach dem
dritten Schlaganfall schnell noch seine Millionen unterbringen muss“,
sagt Wildner. In seiner Stiftung geht es nicht darum, Bedürftige
finanziell zu unterstützen, sondern um Kontakte und Öffentlichkeit
für junge Musiker und erfolgreiche Gitarren-Profis. „Ich
will keine Millionen parken. Ich will aktivieren und vernetzen!“
Für den Stifter selbst ergeben sich Synergie-Effekte: Im Herbst
2006 will er eine private Musik-Hochschule eröffnen, bei Dozenten
und Austauschprogrammen kann er auf das Netzwerk der Guitar Foundation
bauen.
Der dynamische Jungunternehmer steht für einen neuen Stifter-Typ,
in Folge der Reform der Stiftungsgesetze, die Gründungen schon
ab 50 000 Euro ermöglichen. So betont Wildner die „politischen
Gründe“, die ihn zu der Stiftung trieben. „Mir geht
das ganze Gejammer hier auf den Keks. Ich will mit dem sympathischen
Instrument zeigen, dass man in diesem Land etwas bewegen kann.“
Erste Erfolge kann die Stiftung bereits feiern. Im Kuratorium finden
sich viele große Namen der klassischen Gitarrenmusik. Neben
Stars wie Eliot Fisk und Romero Pepe beteiligen sich auch Amateure
von den Seyschellen an dem Projekt. Für die breite Öffentlichkeit
tritt die Stiftung das erste Mal vom 22. bis 24. August in Erscheinung.
Auf den Tiroler Festspielen in Erl präsentiert die Stiftung klassische
Gitarrenstücke. Mit strengen Gitarren-Puristen will Wildner nichts
zu tun haben. Seine Stiftung soll „undogmatisch sein –
kein konservativer Klassikverein“.
Zur Zeit begleitet Michael Koschorreck (Söhne Mannheims) mit
einer Hauser-Gitarre aus dem Jahr 1913 seine Rap-Band. Wenn E-Musiker
bei dem Anblick nach Luft schnappen, freut sich Wildner. „Das
gefällt mir ja besonders“, lacht der Mann, der früher
Jazzrock mit der Band Xtreemono machte. Mit Nostalgie habe sein Engagement
nichts zu tun. „Die Gitarre klingt total modern.“ Als
er in einem einem Musikladen seine Hauser-Gitarre vorführte,
„da hat es die Metall-Fraktion umgehauen“.
Hauser-Gitarren werden auch heute noch gebaut.
In Reisbach bei Dingolfing, wo sich Hauser in den vierziger Jahren
vor den Nazis verstecken musste, weil die „Gitarristische Bewegung“,
die er um die Jahrhundertwende mit begründet hatte, dem Regime
zu international war.
Die Bewegung hatte internationale Gitarrenvirtuosen wie den Spanier
Andrés Segovia nach München gebracht.
Der Pionier der klassischen Gitarre suchte bei Hauser in der Bayerstraße
33 nach einer Gitarre, mit der er ohne Verstärker in den großen
Konzertsälen spielen konnte. 15 Jahre bastelte Hauser, dessen
Vater als herzoglicher Zitherbauer Ruhm erlangt hatte, bis er 1920
das so genannte „Deckenpatent“ präsentierte. Die
Oberflächenspannung des Holzes lässt die Gitarre voller
klingen. Heute baut Hermann Hauser III, Jahrgang 1958, jährlich
etwa 17 Gitarren. Ein Jahr vergeht, bis eine Gitarre fertig ist. „Im
Winter der Korpus, im Frühjahr wird geleimt und so weiter“,
erzählt Wildner. Musikfirmen seien schon mit Koffern voller Geld
vor der Tür gestanden, um die Marke Hauser zu kaufen, doch die
Familie habe alle Angebote ausgeschlagen. Knapp sechs Jahre dauert
es, bis man eine bestellte Hauser in Händen halten darf. Privilegien
gibt es nicht. In der SZ vom 7. November 1961 findet sich die Nachricht:
Auch die Frau des Schahs von Persien muss sich bei Hauser an die Wartezeit
halten.
Von Marco Eisenack
SZ vom 09.08.2005
|
|