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SZ-Serie: Eigentum verpflichtet - in München hat die Wohltätigkeit Tradition (III)
Glücksgriff des Liebhabers
Die „Hermann Hauser Guitar Foundation“ will der Gitarre bei Freunden der Klassik
zu höherem Ansehen verhelfen

Andrés Segovia (li.) 1893-1987, gehörte zu den Pionieren der klassischen Gitarrenmusik. Noch heute Fühlen sich Gitarristen in der Klassik benachteiligt. Eine Stiftung, benannt nach dem weltberühmten Münchener Gitarrenbauer Hermann Hauser (re.), will das ändern.
Andrés Segovia (li.) 1893-1987, gehörte zu den Pionieren der klassischen Gitarrenmusik.
Noch heute Fühlen sich Gitarristen in der Klassik benachteiligt. Eine Stiftung, benannt nach dem weltberühmten Münchener Gitarrenbauer Hermann Hauser (re.), will das ändern.
Fotomontage: Hermann Hauser Guitar Foundation

Hermann Hauser gilt als Stradivari der Gitarrenbauer. Anfang des 20. Jahrhunderts fertigte er Gitarren, die heute im New Yorker Metropolitan Museum hinter Glas liegen. Für die Instrumente des gebürtigen Münchners werden in den USA sehr hohe Preise gezahlt. „In Japan und Amerika gehen die Leute in die Knie, wenn sie den Namen hören“, sagt Klaus Wolfgang Wildner, „hier ist Hauser nur Eingeweihten ein Begriff“. Der Gitarrensammler Wildner versteht nicht, warum München seinen berühmten Sohn nicht würdigt: „ Das ist ein Drama. Wenn wir schon so eine Tradition haben, sollten wir sie pflegen.“ Seit April nimmt Wildner die Lobbyarbeit selbst in die Hand. Gemeinsam mit dem Hauser-Enkel Hermann Hauser III, der noch heute Gitarren für Weltstars der klassischen Gitarre baut, gründete er die „Hermann Hauser Guitar Foundation“. Eine Stiftung, die sich zur Aufgabe macht, dem Instrument in der klassischen Musik einen höheren Stellenwert zu verschaffen.

Vor sechs Jahren wusste auch Wildner, Geschäftsführer einer Akademie für Medien und Musik, nicht viel über die Münchner Instrumentenbau-Dynastie. Dann entdeckte er in einem Schaufenster eine heruntergekommene Quintbassgitarre. Der Erwerb des langhalsigen Saiteninstruments war ein Glücksgriff: Er hatte einen Hauser-Quintbass von 1922 gekauft.
Ein tief klingendes Instrument, von dem Hauser in seinem Leben von 1882 bis 1952 nur drei Stück gebaut hat.

Derek Gripper, Klaus Wolfgang Wildner
v. l. n. r.:
Derek Gripper, Klaus Wolfgang Wildner
Der 42-jährige Gitarrenliebhaber mit dem Ansatz zum Beatles-Pilzkopf ist ein ungewöhnlich junger Stifter. Als er bei der Regierung von Oberbayern seinen Antrag stellte, hatte er den Eindruck, „die freuten sich über ein junges Gesicht“. Auch das Ziel der Stiftung ist ungewöhnlich, „Ich bin keiner, der nach dem dritten Schlaganfall schnell noch seine Millionen unterbringen muss“, sagt Wildner. In seiner Stiftung geht es nicht darum, Bedürftige finanziell zu unterstützen, sondern um Kontakte und Öffentlichkeit für junge Musiker und erfolgreiche Gitarren-Profis. „Ich will keine Millionen parken. Ich will aktivieren und vernetzen!“ Für den Stifter selbst ergeben sich Synergie-Effekte: Im Herbst 2006 will er eine private Musik-Hochschule eröffnen, bei Dozenten und Austauschprogrammen kann er auf das Netzwerk der Guitar Foundation bauen.

Der dynamische Jungunternehmer steht für einen neuen Stifter-Typ, in Folge der Reform der Stiftungsgesetze, die Gründungen schon ab 50 000 Euro ermöglichen. So betont Wildner die „politischen Gründe“, die ihn zu der Stiftung trieben. „Mir geht das ganze Gejammer hier auf den Keks. Ich will mit dem sympathischen Instrument zeigen, dass man in diesem Land etwas bewegen kann.“

Erste Erfolge kann die Stiftung bereits feiern. Im Kuratorium finden sich viele große Namen der klassischen Gitarrenmusik. Neben Stars wie Eliot Fisk und Romero Pepe beteiligen sich auch Amateure von den Seyschellen an dem Projekt. Für die breite Öffentlichkeit tritt die Stiftung das erste Mal vom 22. bis 24. August in Erscheinung. Auf den Tiroler Festspielen in Erl präsentiert die Stiftung klassische Gitarrenstücke. Mit strengen Gitarren-Puristen will Wildner nichts zu tun haben. Seine Stiftung soll „undogmatisch sein – kein konservativer Klassikverein“.
Zur Zeit begleitet Michael Koschorreck (Söhne Mannheims) mit einer Hauser-Gitarre aus dem Jahr 1913 seine Rap-Band. Wenn E-Musiker bei dem Anblick nach Luft schnappen, freut sich Wildner. „Das gefällt mir ja besonders“, lacht der Mann, der früher Jazzrock mit der Band Xtreemono machte. Mit Nostalgie habe sein Engagement nichts zu tun. „Die Gitarre klingt total modern.“ Als er in einem einem Musikladen seine Hauser-Gitarre vorführte, „da hat es die Metall-Fraktion umgehauen“.

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Hauser-Gitarren werden auch heute noch gebaut.
In Reisbach bei Dingolfing, wo sich Hauser in den vierziger Jahren vor den Nazis verstecken musste, weil die „Gitarristische Bewegung“, die er um die Jahrhundertwende mit begründet hatte, dem Regime zu international war.
Die Bewegung hatte internationale Gitarrenvirtuosen wie den Spanier Andrés Segovia nach München gebracht.
Der Pionier der klassischen Gitarre suchte bei Hauser in der Bayerstraße 33 nach einer Gitarre, mit der er ohne Verstärker in den großen Konzertsälen spielen konnte. 15 Jahre bastelte Hauser, dessen Vater als herzoglicher Zitherbauer Ruhm erlangt hatte, bis er 1920 das so genannte „Deckenpatent“ präsentierte. Die Oberflächenspannung des Holzes lässt die Gitarre voller klingen. Heute baut Hermann Hauser III, Jahrgang 1958, jährlich etwa 17 Gitarren. Ein Jahr vergeht, bis eine Gitarre fertig ist. „Im Winter der Korpus, im Frühjahr wird geleimt und so weiter“, erzählt Wildner. Musikfirmen seien schon mit Koffern voller Geld vor der Tür gestanden, um die Marke Hauser zu kaufen, doch die Familie habe alle Angebote ausgeschlagen. Knapp sechs Jahre dauert es, bis man eine bestellte Hauser in Händen halten darf. Privilegien gibt es nicht. In der SZ vom 7. November 1961 findet sich die Nachricht: Auch die Frau des Schahs von Persien muss sich bei Hauser an die Wartezeit halten.


Von Marco Eisenack
SZ vom 09.08.2005