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Muse des Saitenspiels
von Andreas Stevens, Gitarrist



Aus „Muse des Saitenspiels“, Vereins Echo, April 1924




Der gestrige Kammermusik-Abend des Münchner Gitarre-Quartetts im Hochschen Konservatorium gab uns zwei Stunden zart-gepflegter Hausmusik köstlichen Formates. Wir hören hier in Frankfurt a. M. eben recht wenig von der guten alten Lauterkeit und ihren Fortschritten. Um so froher war man, gerade diese Vierheit in dieser Vollendung studieren und auch vollauf genießen zu können. Man hörte ein breit hingelagertes Quartett von Ph. Gragnani, eines von Mauro Guiliani, das temperamentvoller webte und surrte und dann die melodisch starkgefügten Sätze von Ferd. Sor. Die Instrumente dieses Quartetts ließen nicht allein aufhorchen mit der tönenden Fülle ihrer Wirkung auf einen größeren Raum; sie machten auch das Auge mobil. Da waren die herrlichsten Instrument aufgeboten nach dem Leitsatz: „Bringt alle Instrumente mit...“, Primgitarre, Terzgitarre, Quintobaßgitarre sowie das Meisterstück einer doppelchörigen Laute. Der Schöpfer aller dieser engelstimmigen Holzgefäße, Hermann Hauser, ist nicht nur allein ihr Former, er haucht ihnen auch eine Seele ein. Seine Technik, seine bewegliche Ausdrucksweise, besonders im starken Spiel wie in den schwierigen Läufen, zeigt den ganz großen, auch musikalisch beschwingten Künstler. Seine freudigen Trabanten gaben ihm nichts nach: Fritz Bueck, W. Tempel und Frl. Feuerlein. Geschärfte Präzision, inniges Einfühlen in die schwierigen Aufgaben beschwingte dieses musikalische Quartett. Frl. Feuerlein sang, mit der Stimme eigentlich nur andeutend, Lieder zur Gitarre und der doppelchörigen Laute, Lieder mit ganz entzückend ausgetüftelten Begleitungen. Eine begeisterte Hörerschaft folgte den Darbietungen mit Beifall, Staunen, manchmal wohl auch mit einem berechtigten Neid.
W. U. / Frankfurter Zeitung



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31.03.2005