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| Musikwahrnehmung aus biologischer Perspektive „Musikalität ist die angeborene
oder erworbene Fähigkeit, Musik aufzunehmen und auszuüben.“ (Brockhaus 2008) Wäre sie tatsächlich angeboren, gäbe
es nicht die unterschiedlichen Vorstellungen von und Ansprüche an Musik. In den letzten Jahren beschäftigen sich immer mehr Wissenschaftler
mit Musik unter psychologischen, neurobiologischen und evolutionären
Gesichtspunkten*. Schall, der aktiv zu einem Klangwerk zusammengesetzt wird, gilt gemeinhin als Musik. Dabei wird sie einerseits von der Sprache und auf der anderen Seite vom Geräusch abgegrenzt, wobei die Grenzen dabei sehr schwer zu ziehen sind. Sind Trommler, die Botschaften übertragen Musiker und übertragen Orchestermusiker nicht auch Botschaften? „Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden „ Musik ist ein heterogenes, also bunt gemischtes Bündel von Tonhöhen, deren Verlauf – die Melodie, Rhythmus und Klangfarbe. Diese
Eigenschaften sind universell gültig. Damit ist Musik auch immer nur im Kontext ihrer Funktion bewertbar. Marschmusik hat eine mobilisierende Funktion, dabei spielte die Ästhetik nur eine untergeordnete Rolle. Wohingegen sie beim Morgengesang im Kindergarten wichtiger ist und gemeinschaftstiftend wirkt. Wenn Musikalität eine biologische Komponente beinhaltet, warum finden einige bestimmte Musik schön und hochwertig und andere nicht zum Aushalten? Um einen Rhythmus erkennen zu können oder eine Melodie als harmonisch zu empfinden, muss niemand über besondere musikalische Fähigkeiten verfügen. Dennoch ist das Wohlbefinden beim Hören oder Erzeugen von Klängen durch die unmittelbaren kulturellen Eindrücke gefärbt und keinesfalls universell. Ein besonderes Merkmal von Musik ist, dass zwischen den Hörern und den Musikern eine intersubjektive Übereinkunft darüber geben muss, welche Form der Musik als solche empfunden wird. Das heißt, dass bereits die frühkindliche Erziehung zur späteren Musikempfindung beiträgt. Das bedeutet aber auch, dass die Vorstellungen von „überirdisch begabten Musikgenies“ an Raum und Zeit gebunden sind. So wie vielen bestimmte arabische Musikklänge als enervierend und anstrengend vorkommen, stösst dort die Musik von Mozart und Wagner an die Grenzen der Hörgewohnheit und wird keineswegs als genial wahrgenommen. Im zeitlichen Kontext trägt aber auch bei uns die „klassische Musik“ nur noch bei ausgewählten Leuten zum Wohlbefinden bei. Zumeist jüngere Menschen finden beispielsweise Opern ähnlich anstrengend und unharmonisch, wie fremdländische Klänge und umgekehrt wird moderne Musik von Menschen mit „Musikverstand“ nicht als solche akzeptiert. Die Empfindung von Musik hängt von der Erfahrung ab, die ein Mensch macht:
Das alles hat mit der Biologie eines Menschen nichts zu tun! Musik ist ein kultur-spezifisches Phänomen. * Siehe Lorenz Welker, LMU Munich
2008
05.05.2008 |