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Zur Namensgebung der "Hermann Hauser Guitar Foundation"
von Sebastian Stenzel, Gitarrenbaumeister

Die Hermann Hauser Guitar Foundation trägt den Namen eines der bedeutendsten Gitarrenbauer überhaupt. Das ist nicht nur erfreulich, sondern auch sinnvoll. Zwar könnte sie auch nach Andrè Segovia oder Julian Bream, das heißt, nach einem großen Gitarristen benannt sein, doch es gibt bessere Gründe gerade für diese Namenswahl. Vorweg: zu unterstellen, daß einer der Gründer der Foundation, der Enkel und Gitarrenbauer gleichen Namens, sich hier selbst ein Denkmal schaffen wolle, wäre ein Zeugnis von Ignoranz. Der Name Hermann Hauser kann vielmehr als ein vollgültiges Symbol für die Achtsamkeit, Sorgfalt und Liebe gelten, mit der Hauser I sich der Gitarre gewidmet hat - und damit auch als ein Symbol für das, was uns alle in den Bann dieses wunderbaren Instruments zieht, dem hier mit der Stiftung ein Gewächshaus gebaut wird. Und das ist sehr notwendig: Der Bedarf an Information, Austausch und Lehre ist enorm, auch, was das Instrument selbst betrifft. Die klassische Gitarre findet weltweit immer mehr Liebhaber und während es immer mehr hervorragende Gitarrenlehrer gibt, bleibt ein tieferes Verständnis der Gitarre selbst den meisten verborgen. Die klassische Gitarre ist eines der komplexesten Saiteninstrumente und wirklich exzellente Gitarren sind immer noch etwas sehr Seltenes. Deshalb wird es nicht schaden, die Arbeit des Gitarrenbauers zu würdigen und ein wenig mehr ins Licht zu rücken. So ist der Name Hauser auch ein Symbol für die Verbundenheit von Zweck und Mittel, die Zusammenarbeit von Musiker und Instrumentenbauer. Llobet und Hauser, Segovia und Ramirez, Segovia und Hauser I, Behrend und Weißgerber, stets war es eine Zusammenarbeit der besten Gitarristen mit den besten Gitarrenbauern, die die besten Instrumente entstehen ließen, und ich wage zu behaupten, auch die beste Gitarrenmusik. So dürfen wir hoffen, daß die Foundation – sicher ganz im Sinne ihres Namensgebers – ein Forum auch für den Bau und die Entwicklung der Gitarre werden wird. Bei anderen Instrumenten selbstverständlich, fehlen unter Gitarrenbauern bislang wissenschaftliche Standards bei der Diskussion von technischen und akustischen Fragen des Gitarrenbaus, obwohl die Akustikforschung gerade im letzten Jahrzehnt große Fortschritte gemacht hat. Ob diese Forschung hilft, bessere Gitarren zu bauen, mag dahingestellt sein; ganz sicher aber erweitert sie das Verständnis des Instruments und hilft es zu vermitteln und bei der Vielzahl von Neuentwicklungen die Spreu vom Weizen zu trennen.
Reparatur und Restauration von Gitarren werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen, denn die Zahl erhaltenswerter Instrumente nimmt exponentiell zu. Die vielen „kaputtrestaurierten“ Gitarren, die man immer wieder sieht, zeigen, wie nötig auch hier die Erarbeitung, bzw. die Verbreitung von Standards ist: es wird an Aufgaben nicht mangeln.
Nicht zuletzt steht der Name Hermann Hauser auch für seine Zeit; manche sprechen vom „goldenen Zeitalter der Gitarre“. Damals hat es in München hunderte von Werkstätten gegeben, in denen das Wissen vom Instrumentenbau tradiert werden konnte. Der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg haben dieser breiten Tradition ein vorläufiges Ende gesetzt, aber solange Gitarren dieser Epoche spielbar sind, kann der Geist dieser Tradition wieder zu neuem Leben erweckt werden. Und welcher Ort wäre dafür besser geeignet als München?


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23.02.2005