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Ramkie auf ihrem Weg zur AfriCan – Guitar Die Gitarre entstammt wie die Laute und die Harfe sehr wahrscheinlich dem Orient. Von dort aus kam sie durch das Eindringen der Araber auf die Pyrenäenhalbinsel im 8. und 9 Jahrhundert n. Chr. nach Europa. Dort blieb sie das ganze Mittelalter hindurch auf Südwesteuropa, besonders Spanien beschränkt. Dennoch ist anzunehmen, dass ihre Ausbreitung nicht nur in Richtung Europa denkbar war. Arabische Nomaden wanderten auch in die südlicheren Regionen und über diese Wege könnten neben Waren auch Musikinstrumente in scheinbar voneinander isolierte Gegenden Afrikas gelangt sein. Daher kann es also nicht erstaunen, dass sich gleiche oder ähnliche Instrumente mehr oder weniger zeitgleich in verschiedenen Regionen der Welt entwickelten. Daraus ergibt sich eine große Bandbreite an Musikinstrumenten, die vielleicht einen gemeinsamen Ursprung, aber doch eine ganz eigene Entwicklung genommen haben. Viele der frühen, eurozentristisch gefärbten Ethnographien gehen allerdings davon aus, dass die Instrumente erst mit den europäischen Kolonialherren Einzug in diese Gegenden hielten und von den Afrikanern imitiert wurden. "The native peoples of South Africa share, with other simple races, the tendency to imitate European articles which take their fancy, using for their construction such local materials as may be suitable or available". (Zitat: Bushman and Hottentot Violins and the `Ramkie´ in The Musical Instruments of the Native Races of South Africa by, Kirby,1934) Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren es vor allem Reisende, Entdecker, Eroberer, Mediziner, Missionare und Ordensschwestern, die ihre Beobachtungen in fremden Ländern niederschrieben oder erzählend weitergaben. Die Mystik, die diese Berichte bisweilen enthielt, hing sehr von der erzählerischen und zeichnerischen Begabung des Entdeckungsreisenden ab und hatte mit Wahrhaftigkeit häufig nicht viel zu tun (siehe Namaqua). Die Motive für diese Reisen waren vielfältig: Neugier, Abenteuerlust, Geschäfts- oder nationale Interessen, wie das Sichern territorialer Ansprüche oder Missionseifer zur Verbreitung des christlichen Glaubens. Um den Berichten aus fernen Ländern eine größere Anschaulichkeit und damit Glaubwürdigkeit zu verleihen, war es üblich, die Aufzeichnungen mit Skizzen auszugestalten, auf welchen Werkzeuge, Ausstattungen von Haushalten, Musikinstrumente und Weiteres mehr oder weniger detailliert dokumentiert wurden. Die Interpretation der Beobachtungen unterliegt wie nicht anders zu erwarten, dem vorherrschenden Geist der jeweiligen Zeit und mutet heute oft seltsam an. Trotzdem sind die in der vorfotografischen Zeit angefertigten Zeichnungen und niedergeschriebenen Beobachtungen heute von einem nicht schätzbaren, geschichtlichen Wert. Ramkie In Kirbys „The Musical Instruments of the Native Races of South Africa“ (1934) beschreiben verschiedene Ethnographen über viele Jahrzehnte die Ramkie als African Guitar, ihr Spiel und ihren Klang. Während Captain Percival (am Cape Hottentot von 1796-1801) das Instrument als einer der ersten mit den Bau dem einer Geige und dem Klang einer Gitarre vergleicht, beschreiben andere wie Moodie oder Bell (siehe Zeichnung 1) die Konstruktion schon sehr viel detaillierter wie die einer Gitarre. Moodie berichtete nach seinem Aufenthalt in Südafrika von 1819 bis 1829 über den „wilden und melancholischen Klang“ der Ramkie. Sechs Saiten sind über einem flachen, dünnen Brett mit einer halben Kalebasse (ausgehöhlter Flaschenkürbis) an einem Ende gespannt. Über die Kalebasse ist eine getrocknete Haut gezogen und auf dieser ist die Brücke befestigt. Die Anzahl der Saiten wurde unterschiedlich beschrieben, drei (auf G, C und E gestimmt) und vier waren üblich, auch sechs Saiten waren nicht selten. Die Namaqua Die Namaqua oder kurz Nama wurden in de frühen ethnografischen Berichten immer als Hottentotten bezeichnet. Dieser Begriff ist rassistisch und wird heute nicht mehr verwendet. Gleichwohl findet er sich noch in vielen Dokumentationen des letzten und vorletzten Jahrhunderts. Die Nama leben im südwestlichen Afrika und viele mystische Geschichten umranken sie: wie jene, dass jedem Neugeborenen mit dem Daumen das Nasenbein plattgedrückt werde, „weil die Hottentotten eine Nase nach Art der Europäer für unanständig hielten“ (Benesch, S. 23). Mitte des 17. Jahrhunderts gründeten die Holländer eine ihrer Kolonien in Südafrika und unterdrückten die Namaqua ebenso, wie andere indigene Völker. AfriCan tin can Guitars Inzwischen werden auch in Südafrika keine Ramkies mehr hergestellt. An ihre Stelle traten kaufbare westliche Gitarren oder selbstgebaute Modelle. Die Ramkie oder AfriCan Guitar wurde in den letzten 40 bis 50 Jahren eher als Souvenir aus Südafrika in den Rest der Welt mitgenommen, häufig unter dem Aspekt: „Schau mal, was man aus Müll noch bauen kann.“ Diese Instrumente aber waren schwer zu stimmen und zu spielen. In der letzten Zeit besannen sich schlaue Köpfe in Kapstadt darauf, diese Tradition der AfriCans aufleben zu lassen und begannen erneut mit ihrer Herstellung. Heute stellen Kunsthandwerker dieses Instrument wieder in der gleichen Bauart her. Ein Korpus aus einem Ölkanister, Hals und Kopf aus Holz, manchmal ist der Kopf auch aus Aluminium. AfriCans sind inzwischen in der akustischen und der elektrisch verstärkten Version erhältlich. Traditionell besteht der Corpus aus einem Shell- oder Castrolkanister. Es gibt aber auch schon kolorierte Modelle, die mit der südafrikanische Nationalflagge oder nach Ndebele-Art bemalt sind. Je nach Anbieter dieser neuen AfriCan Guitars wird sogar damit argumentiert, dass diese Gitarren sehr leicht sind, nur 20 Prozent des Holzes im Vergleich zu einer normalen Gitarre verbrauchen, die Ölkanister recykelt werden und damit einen “earth friendly” Beitrag zum Umweltschutz leisten. Diese neuen Instrumente sollen großartig klingen und sich gut spielen lassen. Allerdings ist ihr Klang eher nicht mit dem einer klassischen Gitarre vergleichbar, aber wie bei dieser soll ihr Sound bei der Suche nach einer Frau helfen. Quellen The Musical Instruments of the Native Races of South Africa von Kirby, Percival R: Professor of Music, University of the Witwatersrand, Johannesburg, Oxford University Press 1934 Vergessene Kulturen, Das Bild der Naturvölker als die Weissen kamen von Benesch Kurt, Weltbild Verlag1995 www.museumsnc.co.za McGregor Museum in Kimberley Websites Diese Webseiten vermitteln einen (Bild)Eindruck von den modernen AfriCans und jenen, die sie spielen: http://www.africanguitars.co.uk/ http://www.africanguitarsusa.com 26.10.2005 |