http://www.guitarfoundation-online.com

Wertschätzung und Dankbarkeit
von Haim Asulin

Lieber Hermann,

Bezüglich Deiner Bitte schicke ich Dir eine kurze Zusammenfassung meiner persönlichen Eindrücke des großen Meistes A. Segovia.

Ich fühle mich weder als Autorität, noch kann etwas Neues sagen, was nicht schon gesagt worden wäre. Die Legende Segovia spricht für sich selbst. Trotzdem bin ich glücklich, hier die Gelegenheit zu haben, ihm für die Stunden musikalischen Genußes und für die Freude, die er mir damit bereitet hat, zu danken. Er hat dazu beigetragen, mein musikalisches Streben und mein Verständnis der Gitarre zu formen, und auch, das Gitarrenspiel als Beruf zu verfolgen, was ja auch meine große Liebe ist.

Ich möchte hervorheben, daß ich –obwohl ich keiner seiner Studenten war- im Jahre 1965 die Ehre hatte, seiner Meisterklasse in „Santiago De Compostela“ in Spanien beizuwohnen. Ich hatte das Glück, bei dieser Session photographiert zu werden, ich schicke Dir das Photo mit.

Haim Asulin und Andres Segovia

Wie man sieht war das eine Einzelstunde mit Segovia, ich saß vor ihm und erhielt Erklärungen und Demonstrationen, wie man richtig spielt. Ich hatte große Ehrfurcht vor diesem großen Mann, der mir sehr behilflich war, meinem Leben eine Richtung zu geben, den ich aufs höchste bewunderte und dessen Persönlichkeit und Art zu spielen ich als das perfekte Modell für Inspiration und Bestreben ansah.

Ich war tief beeindruckt von seinen wunderschönen, sanften musikalischen Interpretationen und seinem mühelosen Spiel. Einfach ausgedrückt: ich habe verstanden, wie ein Gitarrist gesehen und gehört werden sollte. Ich habe Segovia zuerst durch seine Schallplatten kennengelernt, die ich im Alter von 15 Jahren entdeckte. Da hatte ich schon ein Jahr autodidaktisch Gitarre gespielt. Wie er spielte, das beeindruckte mich tief und elektrifizierte mich regelrecht. Ich hörte seine Aufnahmen stundenlang an und lernte daraus nicht wenige Stücke. Mit 16 Jahren trat ich in meinem Kibbutz Mizra auf. Dieses Konzert wurde mitgeschnitten, und Teile dieser Aufnahme haben überlebt. Man kann seinen Einfluß vom Beginn meiner Karriere bis heute fühlen, und in den Aufnahmen, die überlebt haben (die 4 CDs, die ich Dir während meines Aufenthalts in Reisbach gegeben habe), kann man das auch hören und fühlen. Ich kann sagen, ich gehöre der Schule Segovia´s an, wie sie mit seinem Assistenten, dem großen Lehrer Jose Tomas, von 1964 bis 1967 am „Instituts Musical Oscar Espla“ in Alicante in Spanien unterrichtet wurde.

Natürlich gab es im Laufe der Jahre persönliche Änderungen was meine Spieltechniken betrifft, die in vielerlei Hinsicht reflektiert und an meine eigene Persönlichkeit und meine Bedürfnisse angepaßt werden mußten, z.B. ausschließlich mit den Fingerspitzen zu spielen, ohne die Fingernägel zu benutzen. Ohne Zweifel kann ich sagen, daß Segovias Einfluß als Mensch und großer Künstler sich in allen Aspekten meines Spielens widerspiegelt. Ich betrachte Segovia als meinen herausragenden Lehrer für Inspiration.

Für die Wertschätzung und Dankbarkeit für diesen Mann, der mir so viel gab, gibt es keine Worte.

Haim Asulin, Israel
13.08.2005



Haim Asulin und Hermann Hauser III

Haim Asulin, Hermann Hauser III
Juli 2005 in Reisbach

 

 

18.10.2005